Spart ein Smart Home Energie?

Rick Simon
21. April 2017

Laut einer Studie von co2online werden in Deutschland im Durchschnitt pro Jahr rund zwölf Euro pro Quadratmeter Heizkosten gezahlt. Bei einer 70-qm-Wohnung summieren sich die Kosten auf 840 Euro, bei einem Einfamilienhaus mit 120 qm kommen im Jahr rund 1.440 Euro zusammen.

Das Statistische Bundesamt hat überdies Erhebungen zum durchschnittlichen Stromverbrauch in Deutschland durchgeführt. Ein Zweipersonenhaushalt bezieht demnach Strom im Umfang von 3200 kWh pro Jahr. Das wiederum entspricht Stromkosten von aktuell 870 Euro; ein Haushalt mit drei und mehr Personen bezieht durchschnittlich 5200kWh Strom pro Jahr, was Kosten von 1.350 Euro verursacht.

Eine Familie mit zwei Kindern, die ein kleines Einfamilienhaus bewohnt, muss also aktuell Energiekosten von knapp 2.800 Euro jährlich aufbringen. Unterstellt man eine vierprozentige Preissteigerung pro Jahr, werden die Energiekosten in zehn Jahren jenseits von 4000 Euro betragen: viel Geld!

Hohe Heiz- und Stromkosten?

Anlass genug, darüber nachzudenken, ob sich der Kostenanstieg nicht irgendwie bremsen lässt.

Denn: Das Nutzerverhalten entscheidet maßgeblich über den Verbrauch. Beispiel: Mein Fahrzeug weist, laut Herstellerangaben, einen durchschnittlichen Verbrauch von 4,5 Litern auf 100 km auf. Es kommt vor, dass ich diesen Wert erreiche, manchmal unterschreite ich ihn sogar knapp. Ist die Autobahn frei und ein Termin besonders dringend, zeigt der Bordcomputer auch mal elf verbrauchte Liter auf 100 km an. Das ist beim Haushaltsenergieverbrauch nicht anders; zahlreiche Studien belegen, dass der jeweilige Verbrauch um bis zu 70 Prozent vom Durchschnittswert abweichen kann!

Ein weiteres Beispiel: Eine Wohnung wird von einem Mann bewohnt, der unter der Woche auf Montage arbeitet. Auch am Wochenende ist er nur selten zu Hause, da er häufig Freunde besucht und außerhalb seines Wohnbereichs zahlreiche Erledigungen machen muss. In der Wohnung darunter lebt ein Rentnerehepaar, das sich fast den ganzen Tag lang in der Wohnung aufhält und sich zudem noch wenig bewegt. Aufgrund des Bewegungsmangels sind beide kälteempfindlich, entsprechend werden Wohnzimmer und Küche werden ganztägig mit 24°C geheizt. Das Rentnerehepaar heizt die Wohnung des Montagearbeiters dabei fast komplett mit.

1. Schritt um Energie zu sparen

Der erste Schritt ist oftmals einen günstigeren Lieferanten zu suchen um einen marktgerechten Preis zu bekommen. Das hilft zwar ein wenig, ist aber in den oben genannten Zahlen bereits enthalten.

2. Schritt um Energie zu sparen

Weitere Einsparpotenziale bietet der Einsatz hocheffizienter Geräte und Anlagen im Haus. Hier gibt es zahlreiche kleine und große Stellschrauben, um die Kosten zu minimieren.

3. Schritt um Energie zu sparen

Die dritte und in der Regel umfassendste und schnellste Möglichkeit, Energiekosten zu sparen, ist das eigene Nutzerverhalten und reflektieren und ggf. Anpassungen vorzunehmen.

Ein Smart Home spart Energie

An den vorhergegangenen Beispielen wird schnell klar, dass ein derart unterschiedliches Nutzerverhalten auch in einem Haus mit besten Dämmwerten wenig an den Unterschieden der Verbrauchswerte ändern wird. Raumtemperaturen regeln, Licht ein- und ausschalten, die Wohnung regelmäßig lüften, die Jalousien rechtzeitig schließen: Es gibt jede Menge Möglichkeiten, das eigene Verbraucherverhalten zu optimieren. Doch was bei einer Person möglicherweise noch funktioniert, kann bei mehreren Personen im Haushalt kaum noch erfolgreich umgesetzt werden. Erst eine automatisierte und „proaktive“ Regelung ermöglicht ein nachhaltig effizientes und dennoch behagliches Wohnen.

Komfort und Energieeinsparungen sind keine Gegensätze

Bleiben wir zunächst bei dem höheren Komfortfaktor, den Ihnen Smarthome-Anwendungen verschaffen: Sie nutzen eine Fußbodenheizung mit geringer Vorlauftemperatur? Die Raumtemperatur von 18°C auf 21°C zu erhöhen, dauert beispielsweise zwei Stunden. Drehen Sie die Temperatur am Abend auf 18°C herunter, wachen Sie am folgenden Morgen in einer „kalten“ Wohnung auf. Sie drehen die Heizung auf, befinden sich aber, wenn dann nach zwei Stunden die gewünschte Temperatur erreicht ist, schon auf dem Weg zur Arbeit. Von da an ist ein effizientes Steuern der Temperaturen etwa im Zusammenwirken mit den Wetterbedingungen draußen oder unter Berücksichtigung geöffneter Fenster gar nicht mehr möglich.

Funktionen, die ineinander übergreifen

Eben hier kommen die verschiedenen Smart Home-Geräte und -Applikationen ins Spiel. Sie passen den Einsatz von Licht, Heizung, Lüftung und gegebenenfalls von Rollläden oder Jalousien genau Ihren Bedürfnissen an. Einmal eingerichtet sind Wohnung oder Haus stets zur richtigen Zeit in dem von Ihnen gewünschten Maße beleuchtet, geheizt, gelüftet und verschattet. Muss ich nicht haben? Denken Sie nur an die Hitzeperioden im Sommer. Einmal vergessen die Jalousien tagsüber zu schließen – und Sie bekommen Ihren Wohnraum tagelang nicht mehr auf erträgliche Temperaturen gesenkt; selbst Ihr Schlaf wird da zu einem schweißtreibenden Erlebnis.

Lohnt sich diese Investition?

Mit dem Einsatz von Smart Home verbessert sich der Wohnkomfort also spürbar: Die Frage bleibt aber bestehen, ob die Investitionen sich darüber hinaus lohnen, und ab bzw. wann sich Sparpotenziale amortisieren? Pauschale Antworten sind hier nicht möglich. Möglich ist aber, zu zeigen, ob Sie besonders günstige Bedingungen für hohe Energieersparnisse haben.

Die Studie des Fraunhofer Instituts für Bauphysik (IBP) hat folgende Einsparpotenziale für Strom und Heizungsenergie ermittelt:

Haushaltstyp

Neubau

Altbau

Familie

17%

18%

Senior

22%

20%

Single

40%

35%

Kosten

Und was kostet so eine Heizungssteuerung?

Für ein Haus mit zehn Räumen sollten Sie ca. 1.000 Euro Materialkosten für die „smarten Thermostate“ planen. Möchten Sie das System mit Fensterkontakten, einem Bedientableau oder anderen Komponenten hochrüsten, geht der Preis natürlich in die Höhe. Ausgehend von 1.000 Euro Einrichtungskosten haben sich Ihre Investitionen bei 288 Euro jährlicher Heizkostenersparnis nach 3,5 Jahren amortisiert. Nach zehn Jahren Nutzung haben Sie dann immerhin schon 1.872 Euro gespart! Sollten die Heizkosten wie auch in der Vergangenheit im Durchschnitt vier Prozent pro Jahr steigen, ergibt sich nach Ablauf von zehn Jahren eine Ersparnis von 2.458 Euro.

Sie besitzen ein Smartphone und verfügen über einen W-LAN-Router?

Dann gibt es keinen vernünftigen Grund, die Vorteile von Smarthome nicht zu nutzen. Je schlechter das Haus gedämmt ist, desto attraktiver ist eine smarte Heizungsteuerung. Denn wo die Heizkosten verhältnismäßig hoch sind, sind auch die Einsparungen entsprechend größer. Außerdem zahlt sich eine smarte Heizungssteuerung überdurchschnittlich gut bei Personen aus, die nicht dauerhaft oder unregelmäßig zu Hause sind, etwa bei Schichtarbeitern oder Pendlern.

Bedarfsgerechtes Heizen ist auch für Mieter umsetzbar

Mehr als ein Drittel aller in Deutschland lebenden Menschen wohnt zur Miete. Für sie ist eine smarte Steuerung die einzige Option, komfortabel Heizosten zu sparen, da sie das Haus bzw. die Heizungsanlage nicht einfach umrüsten oder technisch optimieren können. Ihre einzige Möglichkeit, den Verbrauch zu drosseln, besteht in einem bedarfsgerechten Heizen. Im Übrigen: Smarte Heizkörperthermostate lassen sich schnell montieren und auch bei einem Umzug zurückrüsten. Es geht dabei nichts verloren. In den neuen Räumlichkeiten lassen sie sich dann wieder rasch montieren und wie gewohnt nutzen.