Überspannungsschutz im Smart Home - ein Muss! (Teil 1)

Karl-Heinz Müller
20. Februar 2017

Bislang waren Installationen zum Schutz vor Überspannungen in Industrie- und Gewerbeanlagen sowie in öffentlichen Gebäuden und Krankenhäusern gesetzlich vorgeschrieben.

Diese verschärften Vorgaben sind nun auch auf den gesamten Bereich von Wohn- und Zweckbauten erweitert worden. Mit der Neufassung von DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534 haben sich die Anforderungen an den Überspannungsschutz in Deutschland noch einmal wesentlich erhöht.

Seit dem 1. Oktober 2016 gilt: Jedes neue Gebäude mit normgerechter Elektroinstallation muss mit einem Überspannungsschutz ausgerüstet sein.

Die neu gefassten Normen geben dabei vor, in welchen Fällen, an welchen Orten und unter welchen Bedingungen ein Überspannungsschutz in elektrische Anlagen einzubauen ist.

Unter Überspannungsschutz wird der Schutz elektrischer Geräte vor zu hohen elektrischen Spannungen verstanden. Überspannungen können bspw. durch Blitzeinschläge oder durch kapazitive oder durch induktive Einkopplungen anderer elektrischer Systeme hervorgerufen werden. Dabei handelt es sich um Spannungsimpulse, die nur für Sekundenbruchteile auftreten. Die Schäden sind weitreichend: Im intelligenten Gebäude sind zahlreiche empfindliche Komponenten miteinander vernetzt. Internetzugang, Heizung, Alarmanlage, Gefriertruhe, Kühlschrank - nur ein Auszug der Komponenten, die durch Blitzeinschläge oder Überspannungen funktionsuntüchtig gemacht werden können.

Wo müssen Überspannungsschutzgeräte eingebaut werden?

Bei der Neuregelung dieser Norm wird konretisiert, bei welchen Bereichen Überpannungsschutzgeräte einzubauen sind.

Gebäude, in denen „Ansammlungen von Personen“ zu erwarten sind

Dazu gehören etwa Gebäude, in denen „Ansammlungen von Personen“ zu erwarten sind: beispielsweise Schulen, Kirchen, Bürogebäude, aber auch größere Wohngebäude.

Gebäude, die von Einzelpersonen genutzt werden

Einbezogen sind aber auch Gebäude, die von einzelnen Personen genutzt werden: Einfamilienhäuser oder kleinere Büros oder Gewerbeeinheiten, sofern in diesen Betriebsmittel der Überspannungskategorie I oder II installiert sind. Zu den Betriebsmittel mit den entsprechenden Überspannungskategorien gehören unter anderem Router (z. B. Fritzbox oder Speedport), Telefonanlagen, Computer, aber auch Gebäude- oder Heizungssteuerungen (Smart Home-Systeme) sowie empfindliche Küchengeräte.

Info

Überspannungskategorie I - Besonders geschützte Betriebsmittel

Hierunter fallen Geräte, die zum Anschluss an die feste Elektroinstallation eines Gebäudes bestimmt sind. Beispiele für solche Betriebsmittel sind Haushaltsgeräte mit eingebauten elektronischen Stromkreisen, die im Hinblick auf Überspannungen sehr empfindlich sind.

Überspannungskategorie II - Betriebsmittel zum Anschluss an die feste Installation

Hierunter fallen Energie verbrauchende Geräte, die von der festen Installation gespeist werden. Hierunter fallen bspw. Waschmaschinen, Trockner, sonstige elektrische Geräte.

So werden die Geräte geschützt

In vielen Fällen gehen die neuen Regelungen nicht zwingend mit einer Neuinstallation von Anlagen einher. Stattdessen können auch bestehende Anlage so nachgerüstet werden, dass sie den Anforderungen der neu gefassten Normen genügen.

Dabei schaffen z.B. Überspannungs-Schutzgeräte Sicherheit im Inneren des Gebäudes. Hohe Spannungsimpulse werden stufenweise auf ein verträgliches Maß für Ihre Endgeräte reduziert. Wichtig ist, dass die Schutzgeräte fachgerecht ausgewählt und aufeinander abgestimmt sind. Lassen Sie sich von Ihrem Elektrofachbetrieb beraten.

Wichtig:

Ein wirksamer Überspannungsschutz schützt unter anderem auch zentrale Kommunikationswege wie Internet und Telefon – etwa durch den entsprechenden Schutz der Router. Daneben können auch ihr PC samt Daten betroffen sein. Weitere gefährdete Geräte sind bspw. die Heizungsanlage, Haussteuerung, der Kaffeevollautomat, die LED-Beleuchtung oder die PV-Anlage sein.