Überspannungsschutz in der PV-Anlage (Teil 4)

Karl-Heinz Müller
12. September 2017

In einem der vorangegangenen Artikel zum Thema haben wir erfahren, dass der Überspannungsschutz im Smart Home mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben ist. Doch welche Geräte sind nun eigentlich zum Schutz der Anlage erforderlich? – Grundsätzlich ist es wichtig, dass sämtliche Leitungen, die ins Gebäude hinein- oder hinausführen, in den Überspannungsschutz eingebunden sind. Das Thema hier ist die Einbindung der PV-Anlage in den Überspannungsschutz.

Auch PV-Anlagen müssen in den Überspannungsschutz integriert werden. Hierbei werden, da sich die PV-Anlage in der Regel in direkter Nachbarschaft zum äußeren Blitzschutz befindet, drei Varianten unterschieden:

1. Anlagen ohne äußeren Blitzschutz

2. Anlagen mit äußerem Blitzschutz unter Einhaltung eines ausreichend großen Trennungsabstands

3. Anlagen mit äußerem Blitzschutz ohne Einhaltung eines ausreichenden Trennungsabstands

Anlage ohne äußeren Blitzschutz

Von der PV-Anlage ausgehend müssen zunächst die ins Gebäude eintretenden Stringleitungen mit einem Überspannungsableiter vom Typ 2 ausgerüstet werden, dabei ist für jeden MPP-Tracker ein getrennter Ableiter notwendig. Ist die Leitung, die vom Ableiter am Gebäudeeintritt bis zum Wechselrichter reicht, länger als zehn Meter, ist pro MPP-Tracker ein weiterer (DC-)Ableiter am Wechselrichter erforderlich.

Gleiches gilt für die AC-Seite. Bei einer Leitungslänge, die zwischen Zähleranlage bzw. Unterverteilung und Wechselrichter weniger als zehn Meter beträgt, reicht der Überspannungsableiter in der Unterverteilung aus; bei einer größeren Leitungslänge ist ein weiterer Ableiter beim Wechselrichter erforderlich.

Anlagen mit äußerem Blitzschutz

Bei Anlagen mit äußerem Blitzschutz kann bei Einhaltung eines ausreichenden Trennungsabstandes der Schutz auf der DC-Seite analog einer Anlage ohne äußeren Blitzschutz aufgebaut werden. Auf der AC-Seite sollte dabei in der Zähleranlage ein

Kombiableiter vom Typ 1+2+3 installiert sein. Beträgt die Länge der Leitung zwischen Zähleranlage bzw. Unterverteilung und Wechselrichter mehr als zehn Meter wird am Wechselrichter ein zusätzlicher Überspannungsableiter vom Typ 2 benötigt.

Anlagen mit äußerem Blitzschutz

- ohne Einhaltung eines ausreichenden Trennungsabstands

BeiAnlagen mit äußerem Blitzschutz, bei denen kein ausreichender Trennungsabstand vorliegt, muss auf der DC-Seite ein DC-Kombiableiter vom Typ 1+2 eingebaut werden. Bei einer Länge von über zehn Metern zwischen Gebäudeeintritt der Stringleitungen und Wechselrichter wird ein zusätzlicher DC-Überspannungsableiter Typ 2 am Wechselrichter erforderlich. Auf der AC-Seite ist der Wechselrichter durch den Kombiableiter Typ 1+2+3 in der Zähleranlage ausreichend geschützt. Sollte die Leitungslänge zwischen Zähleranlage/Unterverteilung und Wechselrichter hier mehr als zehn Meter betragen, ist ein zusätzlicher Kombiableiter Typ 1+2 einzubauen.

Zudem müssen die Datenschnittstellen, mit denen heute die meisten Wechselrichter ausgestattet sind, gegen Überspannungen geschützt werden. Hierfür stehen Ableiter für RS485-Schnittstellen oder LAN-Leitungen zur Verfügung.