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Wärmepumpe oder Gasheizung: Was rechnet sich für die nächsten 20 Jahre?

Lesezeit: 03:40 Minuten

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Für viele Hausbesitzer beginnt damit wieder die gleiche Unsicherheit: Hält die alte Heizung noch eine weitere Heizperiode durch? 

Damit stellt sich die grundsätzliche Frage: Ist eine neue Gasheizung langfristig wirtschaftlich sinnvoll? Oder ist eine Wärmepumpe trotz höherer Anschaffungskosten die bessere Entscheidung? 

Die Antwort entsteht nicht aus einem einzelnen Angebot. Sie entsteht aus einer Rechnung, die Verbrauch, Investition, Effizienz und künftige Kosten zusammen betrachtet. 


Wärmepumpe oder Gasheizung: So beginnt die Vergleichsrechnung 

Im ersten Schritt braucht es eine belastbare Grundlage. Als Beispiel dient ein bisheriger Gasverbrauch von rund 22.000 kWh pro Jahr. Bei einem angenommenen Jahresnutzungsgrad der Gasheizung von 90 Prozent ergibt sich daraus rechnerisch folgende nutzbare Wärmeenergie: 

22.000 kWh Gas × 90 Prozent = 19.800 kWh Wärme 

Für eine Wärmepumpe wird diese Wärmemenge nicht eins zu eins in Strom umgerechnet. Entscheidend ist die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Sie beschreibt, wie viel Wärme die Wärmepumpe im Jahresverlauf aus einer Kilowattstunde Strom bereitstellt. 

Bei einer angenommenen JAZ von 4,0 ergibt sich: 

19.800 kWh Wärme ÷ JAZ 4,0 = 4.950 kWh Strom 

Für eine erste Modellrechnung kann man also mit rund 5.000 kWh Strombedarf pro Jahr rechnen. 

Das ist ausdrücklich keine Verbrauchsprognose. Der tatsächliche Wert hängt unter anderem vom Gebäude, den Heizflächen, der Vorlauftemperatur, der Warmwasserbereitung und dem Nutzerverhalten ab. Vor allem muss die angenommene JAZ zur konkreten Anlage passen.


Warum die JAZ über die laufenden Kosten entscheidet 

Wärmepumpe ist nicht gleich Wärmepumpe. Eine Anlage, die im Jahresverlauf eine JAZ von 4,0 erreicht, arbeitet wirtschaftlich anders als eine Anlage mit einer JAZ von 2,5. 

Für die angenommene Wärmemenge von 19.800 kWh ergibt sich überschlägig:

  • JAZ 2,5: rund 7.920 kWh Strom
  • JAZ 3,5: rund 5.657 kWh Strom
  • JAZ 4,0: rund 4.950 kWh Strom
  • JAZ 4,5: rund 4.400 kWh Strom

Schon zwischen einer JAZ von 2,5 und 4,0 liegen fast 3.000 kWh Strombedarf pro Jahr. Bei den aktuellen Energiepreisen ist das ein relevanter Unterschied. Über die Lebensdauer der Anlage wird daraus schnell ein Betrag, der die Amortisationszeit deutlich verändert. 

Genau deshalb sollte die Planung nicht bei der Auswahl des Wärmepumpenmodells beginnen. Zuerst muss geklärt werden, welche Vorlauftemperaturen das Gebäude tatsächlich benötigt. Heizflächen, hydraulischer Abgleich, Gebäudehülle und Warmwasserbereitung gehören in dieselbe Betrachtung. 

Eine niedrige Vorlauftemperatur verbessert in der Regel die Arbeitsbedingungen der Wärmepumpe. Das kann den Stromverbrauch senken und die erreichbare JAZ verbessern. Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung ist daher wichtig, nicht nur die Nennleistung zu betrachten, sondern das System im Betrieb. 
 

CO₂-Preis und § 14a EnWG in die Rechnung aufnehmen 

Eine neue Gasheizung wird nicht nur mit dem aktuellen Gaspreis kalkuliert. Auch die Entwicklung der CO₂-Kosten gehört in eine Rechnung über 15 oder 20 Jahre. 

Für Erdgas gilt der nationale Emissionshandel. Im Jahr 2026 werden die Zertifikate in einem Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂ versteigert. Wie sich die Preise danach entwickeln, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Für eine langfristige Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ist aber klar: Fossile Wärme bleibt von einem zusätzlichen Preisbestandteil abhängig. 

Das macht den CO₂-Preis zu einem wichtigen Szenario in der Wirtschaftlichkeitsrechnung. Sinnvoll sind mindestens drei Varianten:

  • gleichbleibender CO₂-Preis,
  • moderat steigender CO₂-Preis,
  • deutlich steigender CO₂-Preis. 

Auch die Netzentgeltreduzierung nach § 14a EnWG kann die Rechnung zugunsten der Wärmepumpe beeinflussen. Für steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen sind unter bestimmten Voraussetzungen reduzierte Netzentgelte möglich. Dafür müssen unter anderem die technischen Voraussetzungen, die Anmeldung und das Messkonzept passen. Die konkrete Ausgestaltung hängt vom gewählten Modul und der Situation vor Ort ab. 

Der Vorteil gehört deshalb in die Kalkulation – aber nicht als pauschaler Abzug. Er muss technisch und vertraglich geprüft werden.


Welche Kosten in einen fairen Vergleich gehören 

Der häufigste Fehler ist, nur den Kaufpreis der Heizungen gegenüberzustellen. Aussagekräftiger ist eine Gesamtrechnung über die geplante Nutzungsdauer. 

Bei der Gasheizung sollten mindestens berücksichtigt werden: 

  • Anschaffung und Montage,
  • Abgasführung und Gasanschluss,
  • Wartung und Reparaturen,
  • Grundpreis und Arbeitspreis für Gas,
  • CO₂-Kosten,
  • möglicher Ersatz einzelner Komponenten. 

Bei der Wärmepumpe gehören unter anderem dazu: 

  • Wärmepumpe, Speicher und Montage,
  • Anpassung der Heizflächen oder Hydraulik,
  • Elektroinstallation und gegebenenfalls Netzanschluss,
  • Messkonzept und mögliche Zählerkosten,
  • Stromverbrauch auf Basis mehrerer JAZ-Szenarien,
  • Wartung und mögliche Reparaturen. 

Förderungen können die Investition zusätzlich verändern. Sie sollten immer mit dem zum Zeitpunkt der Planung gültigen Förderstand gerechnet werden. Eine Förderung ist kein Ersatz für eine saubere technische Auslegung. 


Die richtige Frage für die Wirtschaftlichkeitsrechnung 

Die Frage „Was kostet die neue Heizung?“ greift zu kurz. Sie betrachtet den Moment der Anschaffung, nicht den Betrieb über viele Jahre. 

Besser lautet die Frage: 

Was kostet mich meine Wärme in den nächsten 20 Jahren? 

Für Elektrofachkräfte ist das eine gute Grundlage für eine sachliche Beratung. Nicht jede Wärmepumpe passt zu jedem Gebäude. Nicht jede Gasheizung ist kurzfristig die schlechteste Lösung. Entscheidend ist, dass die Annahmen offenliegen und die Varianten vergleichbar sind.

Wer Investition, Energieverbrauch, JAZ, CO₂-Preis, Netzentgelte und Wartung gemeinsam betrachtet, schafft eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Genau diese Rechnung sollte vor der nächsten Heizperiode häufiger aufgestellt werden – klar, realistisch und ohne vorschnelle Versprechen.

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Wer sich näher mit Technik, Planung und Einsatzmöglichkeiten beschäftigen möchte, findet auf unserer Landingpage zur Wärmepumpe weitere Informationen. Dort sind die wichtigsten Grundlagen kompakt zusammengefasst – von der Funktionsweise bis zu den Punkten, die bei der Auswahl und Planung berücksichtigt werden sollten.

Autor:in

Michael Kleen

Produktmanager Dienstleistung Haustechnik

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